In unserer Buchrezension zu World of Warcraft: Illidan zeigen wir euch, worum es geht und ob sich das Buch für Warcraft-Fans wirklich lohnt.

Im Roman World of Warcraft: Illidan widmet sich Willian King einem der beliebtesten Charaktere des Warcraft-Universums. Bereits in der Krieg der Ahnen Trilogie war das komplizierte Verhältnis von Illidan zu seinesgleichen ein Thema und wird nun an dieser Stelle etwa sechs Jahre vor dem Fall des schwarzen Tempels fortgesetzt.

World of Warcraft: Illidan  erschien in der deutschen Übersetzung von Tobias Toneguzzo im Juli 2016 beim Panini Verlag als broschierte Ausgabe.

Buchrezension Illidan WoW Buch

Die Handlung

Die Handlung setzt wie bereits erwähnt etwa sechs Jahre vor dem Fall des schwarzen Tempels ein. Dieses Event ist gleichzeitig der Höhepunkt des Buches auf den sich alle Handlungsstränge fokussieren. Es beginnt alles mit der Freilassung von Illidan aus seinem jahrhundertealten Gefängnis durch Tyrande und Malfurion. Diese sehen sich der Bedrohung der Brennenden Legion gegenüber und finden keinen anderen Ausweg als Illidan zu befreien, damit er sie im Kampf gegen die Dämonen unterstützt.

Der Roman wird insgesamt aus der Sicht von vier Charakteren erzählt, die je nach Kapitel immer wieder wechseln. Die Geschichte wird jeweils aus der Perspektive der jeweiligen Hauptperson vorangebracht, wobei sich alles kontinuierlich auf den Klimax zubewegt und alle vier Handlungsstränge zusammengeführt werden.

Illidan bildet seine Truppen aus und bereitet sich auf den finalen Schlag gegen die Legion vor. Maiev Schattensang war die Wächterin über Illidans Gefängnis. Sie ist ihm nach seiner Befreiung erneut auf der Spur, um ihn wieder einzusperren. Akama ist der Anführer der Zerschlagenen, die den Dämonen ebenfalls zum Opfer fielen. Er hat sich mit Illidan verbündet, um seine Heimat zurück zu erobern.

Während diese drei Charaktere World of Warcraft Spielern bereits bekannt sein dürften, wird Dämonenjäger Vandel neu vorgestellt. Er hat sich Illidan angeschlossen, um Rache an den Dämonen für seine getötete Familie zu nehmen. Für diese Mission lässt er sich nun wie die anderen Elfen unter Illidans Führung zu einem Dämonenjäger ausbilden.

Konflikte zwischen den vier Charakteren sind natürlich vorprogrammiert. Während Illidan und Maiev eine alte Feindschaft “pflegen”, geht Akama nur widerwillig eine Zweckgemeinschaft mit Illidan ein. Hinter dessen Rücken versucht er sich dennoch mit Maiev zu verbünden. Vandel hat lediglich eine Beziehung zu Illidan, als seinem Lehrmeister. Er steht vor allem im Konflikt mit sich selbst und den Herausforderungen, die er durchleben muss. Immer wieder taucht dabei die Frage auf welche Opfer er noch bringen möchte, um sein Ziel zu erreichen.

Die Stilistik

Hauptthema

Das Hauptthema dreht sich vor allem um die Geschehnisse im und um den schwarzen Tempel. Besonders ist dabei, dass man den Ausgang, also den Fall des Schwarzen Tempels bereits kennt und durch die Kapitelüberschriften, wie “Vier Jahre vor dem Fall” vorwegnimmt.

Das zentrale Thema ist also nicht das der Tempel fällt, sondern unter welchen Umständen und was dies für alle vier Hauptcharaktere im Einzelnen bedeutet. Gerade aus der Sicht von Illidan und Vandel ergeben sich hierdurch interessante Perspektiven, die aufzeigen, dass mit dem Fall doch nicht alles vorbei ist. Die Geschichte wird also besonders spannend gemacht, indem sie die andere Seite der Medaille zeigt und dadurch mit den klassischen Motiven Gut gegen Böse oder schwarz gegen weiß spielt. Heiligt der Zweck am Ende die Mittel und ist Illidan doch nicht so böse wie Maiev annimmt?

Gerade die Beziehung zwischen Maiev und Illidan kommt an einen Scheideweg als sie ihn endlich wieder zu fassen bekommt und seine finalen Worte “Die Jägerin ist nichts ohne die Jagd. Du bist nichts ohne mich.” zeigen Maiev verletzlich und ratlos.

Die gesamte Handlung aller Beteiligten ist aber auch getragen von Rachegedanken. Maiev möchte sich an Illidan für sein Entkommen rächen. Illidan, Akama und Vandel möchten Rache an den Dämonen nehmen. Jeder ist auf seine Weise so tief in seinem Stolz verletzt, sodass man zwischenzeitlich ins Grübeln kommt, ob das alles wirklich nötig ist. Die Zweifel werden allerdings schnell beseitigt, da immer wieder klar gemacht wird, dass in der Rache auch der pure Überlebenswille mitschwingt. Wenn man sich jetzt nicht gegen die Legion stellt, wird man womöglich komplett ausgelöscht und dann war alles umsonst.

Sprache

William King überzeugt mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Sprache. Er setzt die Geschehnisse gekonnt in Szene und hat einen Sinn für Details. Die anhaltende Spannung und das auf der Hut sein werden sprachlich sehr gut umgesetzt.

Vandel wirkt in diesem Roman wie ein tragischer Held. Man fühlt komplett mit ihm mit und ist erleichtert, wenn er wieder eine Prüfung geschafft hat. Ein Hineinversetzen in die Charaktere fällt sehr leicht und auch eine gewisse Verbundenheit mit jedem von ihnen ist schnell geschaffen.

Auch die ständige Bedrohung durch die Legion wird gekonnt aufgegriffen. Dabei wird die Gefahr nie überspitzt dargestellt, sodass man in Hoffnungslosigkeit verfällt, sondern immer wieder nur so weit angedeutet, damit man das große Ganze im Blick behält.

Motive

Das Motiv der Jagd wird in der Beziehung zwischen Illidan und Maiev sehr oft angewandt. Besonders in der finalen Begegnung der beiden fühlt man nach Illidans letzten Worten diese Leere in Maiev aufsteigen.

Das Illidan ständig “der Verräter” genannt wird, schlägt nicht ins Lächerliche um, sondern ist pointiert gesetzt. Dem Leser wird immer wieder die von Illidan ausgehende Gefahr vor Augen geführt, wenn man gerade anfing mit ihm zu sympathisieren.

Wie bereits erwähnt, dominieren vor allem die vorherrschenden Rachegedanken bei allen Beteiligten ihre Motive. Die Beweggründe werden nachvollziehbar dargelegt, sodass man schon verstehen kann warum jeder einzelne Charakter so sehr darum bestrebt ist.

Fazit

World of Warcraft: Illidan ist ein weiterer gelungener Roman dieser Reihe, der die Geschehnisse rund um den Fall des Schwarzen Tempels gekonnt in Szene setzt. Dem Autor Willian King ist es dabei gelungen trotz dem vorweggenommenen Ende Spannung in allen Handlungssträngen aufzubauen. Auch die Charaktere wirken nicht eindimensional, sondern haben jeder für sich genommen ihre positiven und negativen Facetten mit denen man sich identifizieren kann.

Das Buch ist definitiv eine sehr gute Grundlage für die weiterführende Handlung in WoW Legion. Auch wenn man die Hintergrundgeschichte der Dämonenjäger im Spiel noch einmal erzählt bekommt, kann man mit diesem Roman emotional tiefer mit dieser Elitetruppe mitfiebern. Für alle WoW-Spieler ist World of Warcraft: Illidan also ein sehr guter Roman zu Überbrückung der Zeit bis WoW Legion erscheint. Allerdings können sicherlich auch Einsteiger mit diesem Roman etwas anfangen, da er sehr verständlich geschrieben ist und keine Kenntnisse über Illidan oder ähnliches voraussetzt.

World of Warcraft: Illidan
  • William King
  • Herausgeber: Panini
  • Auflage Nr. 1 (25.07.2016)
  • Taschenbuch: 400 Seiten